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Manifest of refugees to SPD, Greens and FDP/Manifest von Geflüchteten an SPD, Grüne und FDP

englisch

Freundeskreis Flüchtlingssolidarität Regionalgruppe Süd – E-Mail: si-freundeskreis-sued@gmx.de
An: Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) – direktkommunikation@spdfraktion.de
Bündnis 90/ Die Grünen – info@gruene-bundestag.de – Freie Demokratische Partei (FDP) – dialog@fdpbt.de

Sehr geehrte Damen und Herren Unterhändler*Innen der künftigen Regierungsparteien Deutschlands, Wir sind Geflüchtete, die aus den verschiedensten Herkunftsländern nach Deutschland gekommen sind. Mit Interesse verfolgen wir Ihre Bemühungen um die
Festlegung der Politik der nächsten Jahre in diesem Land. Wir wollen Ihnen einen Einblick in unsere Lebenslage und unsere Probleme geben. Dies verbunden mit der herzlichen Bitte, diese Anliegen in Ihren Gesprächen, Vereinbarungen und Entschlüssen zu berücksichtigen.
Wir schätzen dieses Land als ein wirtschaftlich prosperierendes Land mit sehr vielen gegenüber Geflüchteten offenen Menschen, aber auch aggressiv feindseligen Rassisten. Wir möchten mit unseren Fähigkeiten und unserer Kraft sowie den Erfahrungen und Kenntnissen aus unseren Heimatländern dazu beitragen, die Potenziale Deutschlands zum Blühen zu bringen. Daher ist es unser großer Wunsch, dafür arbeiten zu dürfen!
Die meisten von uns haben in unseren Herkunftsländern Berufe gelernt und wir wünschen uns, dass unsere Fähigkeiten und Fertigkeiten wertgeschätzt und anerkannt werden. Leider werden unsere Qualifikationen meist nicht anerkannt. Viele von uns bekommen keine Erlaubnis, zu arbeiten, oder dürfen nicht an dem Ort wohnen, wo sie Arbeit gefunden haben oder finden könnten. Manche wurden sogar vom Arbeitsplatz weg abgeschoben. Oft haben wir Schwierigkeiten, die notwendigen Papiere beizubringen und die notwendigen Deutschkurse zu erhalten. Für beides benötigen wir dringend Hilfe!
Ein großes Anliegen ist uns, unsere Familien aus Kriegs- und Krisengebieten zu uns zu holen. Dabei möchten wir das aber keinesfalls auf Kosten der in Deutschland lebenden Menschen finanziert haben. Auch deshalb möchten wir unbedingt arbeiten.
Wir hören von großen Fachkräftemangel in Deutschland! Wir sind meist jung und stark, wissbegierig und lernbereit. Uns Ausbildung und Arbeit zu geben wäre eine win-win-Situation. Wir achten die Gesetze dieses Landes und bringen unsere Anliegen oder auch unseren Protest auf demokratische und begründete Weise vor. Wir erleben aber oft, dass uns von staatlichen Autoritäten nicht mit der gleichen Achtung vor den Gesetzen und der Menschenwürde begegnet wird. Klagen dagegen vor Gericht sind letztendlich oft erfolgreich – aber langwierig. Viele scheuen Risiko und Kosten.
Während wir jetzt sprechen, wurden viele von uns bereits verhaftet und in ihr Land abgeschoben. Unsere Wohnsituationen in den Unterkünften sind manchmal erbärmlich. Corona grassierte ohne genügenden Schutz. Wir versuchen alle vom Impfen zu überzeugen, was wegen Misstrauens und schlechten Erfahrungen oft nicht einfach ist. Dafür brauchen wir mehr Unterstützung. Wir sind oft nicht an das Essen aus Kantinenküchen gewohnt, denn wir bringen sehr unterschiedliche Essgewohnheiten aus unseren Ländern mit. Das müsste mehr respektiert und ruhig unsere Eigenarbeit bei der Versorgung einbezogen werden. Wir schätzen Deutschland auch als Land der Religionsfreiheit und erleben dennoch immer wieder rassistisches und religiöses Mobbing. Oft bedrücken uns die gleichen Probleme wie die deutsche Bevölkerung: die Wohnungsknappheit macht es schwer, eine Wohnung zu finden, und zusätzlich erleben wir Vorbehalte mancher Vermieter gegenüber Flüchtlingen. Die Lebenshaltungskosten sind hoch und steigen weiter, ältere Menschen haben besondere Probleme, die schwer mit den niedrigen Sozialsätzen zu bewältigen sind. Wir haben unsere Heimatländer unter Zwang, mit Trauer und Wehmut verlassen und haben viel Heimweh. Auf der Flucht haben wir Schreckliches erlebt. Freunde und Familienangehörige von uns sind ertrunken, wir wurden drangsaliert auch von Verbündeten und Finanzadressaten der deutschen Regierung (wie der libyschen Küstenwache). Wir wünschen uns, dass unseren erlebten Erfahrungen Glauben geschenkt wird. Unsere Länder sind vielfachen Problemen ausgesetzt, die uns zu diesem Schritt getrieben oder gar gezwungen haben. Glaubt man ernsthaft, dass wir uns grundlos all den Gefahren der Flucht ausgesetzt hätten? Wir wünschen uns auf der Welt eine Politik, die es möglich macht, nicht mehr fliehen zu müssen, sondern die Schätze unserer Länder genießen zu können, Freundschaft mit allen Ländern der Welt zu pflegen. Wir wollen gerne bei unseren Familien und Freunden bleiben, leben und arbeiten sowie unseren Kindern eine Zukunft geben. Dafür sind wir bereit hart zu arbeiten.
Aus all diesen Gründen haben wir uns im Freundeskreis Flüchtlingssolidarität zusammengeschlossen. Wir wünschen uns und Ihnen auf der ganzen Welt eine Gesellschaft in Solidarität und Wohlstand für alle und bitten die künftige Regierung, uns die Hand zu reichen, denn unser Herz ist voller Liebe und Frieden.
Es grüßen Sie Justice, Yuko, Isaiah, Subhia, Demba, Kevin, Haytham, Solution, Jerry, Faith,
Azumah, Dania,und viele andere